Gänsehaut-Feeling und frenetischer Beifall
Konzertereignis des Gesangverein Ruppertshofen
Welch ein fulminanter Abend! Die Konzertbesucher des Gesangverein Ruppertshofen hörten nicht nur einen musikalischen Querschnitt aus einhundert Jahren unter dem Motto „From Twenty to Twenty“, sondern genossen auch erstklassiges Klavierkonzert und humorvolle, filmreife Theaterszenen.
Mit beschwingten Melodien der „goldenen“ zwanziger Jahre, die sich auch in den Outfits des Chors widerspiegelten, eröffnete der gemischte Chor unter der Leitung von Jutta Nagel den Abend. „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami“, „Die kleine Konditorei“ und – natürlich – „Mein kleiner grüner Kaktus", virtuos am Klavier begleitet von Melis Ertürk. Aus den fünfziger Jahren erklang sehr gefühlvoll „La Mer“ und „Are you lonesome tonight“, ins Rotlichtmilieu entführte der „Kriminal-Tango“; durch die professionelle Licht- und Tontechnik von RH-Audio wurde die Bühne in schaurig-schönes Licht getaucht.
Die nächste musikalische Zeitreise eröffnete der moderne Chor „SingMotion“, seit einem Jahr unter der Leitung von Türku Su Dilan Özkaya, mit dem Titel „What about us“ von Pink, der gemischte Chor trat hinzu und gemeinsam erklangen die Melodien, die auch das Publikum im Geiste mitsingen ließen, „Mamma Mia“ und „Dancing Queen“. Der Siegertitel „Halleluja“ des Eurovision Song Contest vervollständigte diesen Zyklus.
Wie die Musikstücke angesagt wurden, das war schon eine Show für sich. Das Moderatorenduo Veronika Schäfer und Matthias Bauer führten charmant und mit Esprit durch den Abend, denn sie hatten sich vor jedem Programmteil kleine Theaterszenen ausgedacht. So saßen sie in Frack und mit Federkopfschmuck im Wiener Kaffeehaus, ließen sich in der Bar von “Günni“ einen Manhatten-Cocktail servieren und spielten „Aladdin“ mit der Wunderlampe, der eine bezaubernde Jeanie entsprang und Musikwünsche erfüllte.
Zwischen den Liedvorträgen erlebten die Besucher Klavierkonzerte der Extraklasse. Dilan Özkaya und Melis Ertürk, bekannt als Piano-Duo „MOTUS“, spielten meisterlich vierhändige Stücke, die ansonsten nur in Konzerthallen in solcher Perfektion zu hören sind. Mucksmäuschenstill war es im Saal, als „Die Moldau“ von Smetana, „Lieder ohne Worte“ von Mendelsohn, Brahms „Ungarischer Tanz Nummer vier“ und „Lied ans Meer“, ein Stück des türkischen Komponisten Yildirim, erklangen. Mit frenetischem Beifall bedankte sich das Publikum für dieses wirklich außergewöhnliche, musikalische Erlebnis.
Den Abschluss des Abends bildeten die Songs der Jahre zweitausend. „SingMotion“ interpretierte die Lieder „Speechless“, „Rise“ und „Dance the Night“, mit großer Exaktheit und hervorragend ausgearbeiteter Dynamik, begleitet am Klavier, dadurch kam die Stimmpräsenz eines reinen Frauenchores ganz wunderbar zur Geltung. Der gemischte Chor bewies, dass auch er mit „Viva la Vida“ auf der Höhe des musikalischen Zeitgeistes ist, bevor sich Vorstand Karl-Gerhard Berroth bei den Dirigentinnen, der Pianistin und dem Moderatorenteam für deren großartige Leistungen bedankte.
Das Finale dieses denkwürdigen Abends brachte allen, den Chören und dem Publikum, nochmals Gänsehautfeeling: „Time to Say Goodbye“, wuchtvoll gesungen aus 50 Kehlen, das Publikum mit Standing Ovation im dunklen Saal Handylichter schwingend – manchmal möchte man die Zeit einfach anhalten!